Home Deutsche Sprache, ... Von stillen Wassern und Wässern mit Sprudel

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Sagt der eine Freund zum anderen: „Du bist ja mit allen Wassern gewaschen!“ Entgegnet der andere: „Stimmt, denn stille Wasser sind tief!“ Wem würde es einfallen, an dieser Stelle von „tiefen Wässern“ zu sprechen? Oder gar davon, dass man „mit allen Wässern gewaschen“ ist? Und doch ist sie auf dem Vormarsch, die Pluralform „Wässer“.

Eigentlich hatte ich einmal gelernt, dass das Wort „Wasser“ ein Singularetantum ist. Dies ist ein Wort, das nur in der Einzahl vorkommt. Luft ist so ein Wort. Oder Eisen, Frieden, Liebe, Hass. Oder eben Wasser. Denn Wasser, Luft und Eisen sind Stoffbezeichnungen und diese gibt es nicht in der Pluralform. Soweit mein Schulwissen.

Doch irgendwie scheinen meine Lehrer der Mittelstufe nicht ganz fit gewesen zu sein – eine Feststellung, die mich im Nachhinein nicht sonderlich überrascht. Denn es gibt sie tatsächlich, die Pluralform „Wässer“. Selbstverständlich liefert der Duden (1) die Erklärung:

Wasser: 1. Plural: Im Sinne von „Wassermassen; Fluten; Gewässer“ heißt die Pluralform die Wasser […] Die umgelautete Pluralform die Wässer wird dagegen verwendet, wenn es sich um Wassersorten, z. B. um präparierte, für den Menschen bestimmte Flüssigkeiten handelt: wohlriechende, duftende Wässer […] Mineralwässer, Sauerwässer, ebenso: Abwässer. […]

Ich persönlich finde mich in meinen Grundfesten erschüttert, denn „Wässer“ hört sich für mich einfach falsch an. Daher versuche ich diese Klippen zu umschiffen, indem ich bei „präparierten, für den Menschen bestimmten Flüssigkeiten“ die Einzahl verwende. Schließlich trinke ich immer nur eine bestimmte Sorte Mineralwasser und die Frage nach meinen liebsten Duftwässern beantworte ich mit: „Meine Lieblingsparfums sind…“

Hinweis

Die Mehrzahl von „Wasser“ lautet also nicht nur „Wasser“ – auch „Wässer“ kann richtig sein. Diese Erkenntnis lässt sich jedoch nicht auf alle Wörter übertragen. Nur weil es „Wässer“ gibt, gibt es noch lange keine „Wägen“!

(1) Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion. Bearbeitet von Peter Eisenberg unter Mitwirkung von Franziska Münzberg und Kathrin Kunkel-Razum. Auf Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Duden Band 9. Mannheim, Zürich 2007.