Home Neudeutsch für Anfänger Teamplayer: Erfolgsgarant ohne eigenen Erfolg

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„Haben Sie Spaß, im Team zu arbeiten? Bei uns sind Sie Teil eines dynamischen Teams. Teamfähigkeit ist unabdingbar.“ Solche und ähnliche Formulierungen findet man in jeder Stellenanzeige. Sie vermitteln einem ein wohliges Gefühl: Teamplayer sind in, Einzelgänger sind out. Das ist aber schön! Doch wieso sind Teamplayer meist die Letzten, die befördert werden?

Für das Wort „Teamplayer“ gibt es offensichtlich keine deutsche Übersetzung. Selbst leo.org kapituliert und zeigt einfach gar nichts an. Zugegeben: Der Begriff „Mannschaftsspieler“ wird den vielen Facetten nicht gerecht, die das Wort „Teamplayer“ beinhaltet. Ein Teamplayer reibt sich für seine Gruppe auf. Er liefert gute Ideen und will alle am Erfolg teilhaben lassen. Er arbeitet Tag und Nacht, wenn es nur dem Wohle der Gruppe dient. Er hat keinerlei Hang zur Selbstdarstellung. Die Wörter „intrigieren“ und „loungen“ gehören nicht zu seinem Wortschatz. Er ist eine fleißige Arbeiterbiene. Immer bereit, die Aufgaben anderer zu übernehmen – Hauptsache, das Team gewinnt!

Ihm gegenüber steht der Einzelkämpfer, der Teamausnutzer, der Schnorrer. Meist wird dieser als vollwertiges Mitglied des Teams akzeptiert. Dass er weniger arbeitet und lieber mit dem Chef Kaffee trinken geht, sehen die braven Teamplayer als seinen Beitrag zum Teamwork an. Bei Besprechungen behält er seine Ideen für sich. Bei Gruppenarbeiten übernimmt er am liebsten die Gesamtkoordination. Er ist wortgewandt und manchmal kommt es dem Teamplayer so vor, als würde er die Teamideen als seine eigenen verkaufen. Aber das täuscht sicher nur. Schließlich ist er Teil des Teams und ein Teil des Teams stellt nur das Gemeinwohl in den Vordergrund.

Eines Tages steht eine Beförderung an. Die Teamplayer-Arbeiterbienen freuen sich. Denn eine Beförderung tut selbst ihrem Ego gut. Sie trappeln mit ihren Hinterbeinchen und sind gespannt, welche Biene wohl die fleißigste war. Denn für sie steht fest, dass nur die Fleißigste von ihnen befördert werden kann. Doch siehe da: Es ist der Einzelkämpfer, der es sich auf den Chefsessel bequem machen darf. Ein Raunen geht durch die Schar der Teamplayer. Irgendwie können sie nicht glauben, dass er tatsächlich der Fleißigste von ihnen gewesen sein soll.

Teamplayer denken, dass braves Arbeiten und Teamorientierung der Schlüssel zum Erfolg sind. Dabei vernachlässigen sie einen entscheidenden Grundsatz der Geschäftswelt: Tue Gutes und sprich darüber! Alles Arbeiten ist sinnlos, wenn man seine Leistung nicht darstellt und verkauft. Chefs sehen nur die Teamleistung – sie sehen nicht den Beitrag des Einzelnen. Also muss der Einzelne dafür sorgen, dass er wahrgenommen wird. Teamplayer bezeichnen dieses Verhalten als „Schleimen“. Einzelkämpfer nennen es „Eigen-PR“.


4 Kommentare für diesen Artikel
  1. […] haben wir es schon immer geahnt: Die braven, lieben, kollegialen Teamplayer bringen es in dieser Welt zu gar nichts! Sie arbeiten hart und lassen alles auf sich abwälzen – […]