Home Einfach schön schreiben Sommer, Sonne, Floskelflut

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Vor ein paar Wochen fiel mir die Google-Werbung für den Browser Chrome ins Auge. Der Spot spielte mit den Erwartungen der Zuschauer und regte das Mitratefieber an. Nacheinander erschienen Teile bekannter Wortgruppen „Ach du grüne“, „Backe, backe“, „Wie Pech und“ u. s. w. Was in dieser Werbung funktionierte, ist aber Gift für Nachrichten und Pressemitteilungen.

In meinem Beitrag „Ist eine Innovation tatsächlich noch innovativ?“ hatte ich es schon einmal angesprochen: Manche Begriffe und Wendungen nutzen sich ab. Das Problem dieser Formulierungen ist, dass man die genaue Aussage nur schlecht erkennen kann. Wer weiß schon genau, wie innovativ eine „Innovation“ ist? Und welche noch lebende Person kann erklären, wie sich „sintflutartige Regenfälle“ anfühlen? Zwar wissen die Leser und Hörer sofort, was gemeint ist. Doch das einfache Erkennen kann zum Nachteil werden.

Die folgenden Begriffe und Formulierungen haben wir schon tausendfach in unserem Leben gehört:

Floskeln Modewörter
Sommer, Sonne, Sonnenschein Innovation                 
dumm wie Bohnenstroh Herausforderung                 
heimlich, still und leise Reform                 
Schneise der Verwüstung Paradebeispiel                 
sintflutartige Regenfälle Gegenwind                 
aus dem Dornröschenschlaf erwachen Provokation                 
in den Startlöchern stecken Synergieeffekte                 
Licht am Ende des Tunnels Fokussierung                 
das Handtuch werfen Aktivität                 
u. v. m. u. v. m.

Gerade weil wir sie so oft gehört haben, sagen sie nichts mehr aus. Diese Floskeln sind nur noch leere Worthülsen. Sie schockieren uns nicht mehr. Sie regen uns nicht einmal mehr zum Nachdenken an. Der Journalist wollte mit diesen Ausdrücken besondere Aufmerksamkeit schaffen – und erreicht genau das Gegenteil. Seine Nachricht wird ausdruckslos und weniger glaubwürdig.

Sagen Sie den Floskeln den Kampf an!

Sie wollen nicht, dass Ihre Nachricht belangloses Bla-Bla wird? Dann verzichten Sie am besten vollständig auf Floskeln und Modewörter. Große PR-Agenturen und Tageszeitungen haben genau aus diesem Grund schwarze Listen erstellt. Floskeln und Begriffe auf diesen Listen dürfen nicht verwendet werden.

Schreiben Sie in einer einfachen, klaren Sprache. Statt vor einer „Herausforderung“ zu stehen, könnte ein Unternehmen eine „große Aufgabe“ vor sich haben. Statt einer „Innovation“ könnte man eine „Erfindung“ vorstellen. Statt „das Handtuch zu werfen“, könnte ein Politiker „aufgeben“.

Wer nicht auf bestimmte Floskeln verzichten will, sollte wenigstens mit den Erwartungen brechen! Ein Einbrecher macht sich dann eben nicht „heimlich, still und leise“ davon, sondern „heimlich, still und tollpatschig“. Und ein Artikel zur Grippewelle fängt dann nicht mit „Husten, Schnupfen, Heiserkeit“ an – sondern mit „Husten, Schnupfen, Schüttelfrost“. Der Bruch mit den Erwartungen liefern dem Text kleine Stolperstellen. Diese braucht er, damit er auffällt und im Gedächtnis haften bleibt. Über Floskeln gehen Leser jedoch gelangweilt hinweg.

Die Google-Werbung: Für alle, die den besagten Spot nicht gesehen haben:

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