Home Grundlagen der PR …die sind sowieso nicht unsere Zielgruppe!

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Es gibt Sätze, die treiben einem engagierten PR-Berater die Schweißperlen auf die Stirn. „Das machen wir schon immer so“, ist einer dieser Sätze. Denn er enthält nicht einfach die Aussage, wie es bisher gemacht wurde. Nein! Übersetzt heißt dieser Satz: „Pfoten weg! Das wird nicht geändert!“ Aber es gibt noch einen anderen Satz, der mich jedes Mal am Willen zur Verbesserung zweifeln lässt.

Man schreibt eine hübsche Pressemitteilung. Als Fachfremder hat man sich das Thema so erklären lassen, dass man es versteht. Und genauso ist die Pressemitteilung geschrieben: verständlich! Die Meldung geht in die Abstimmungsschleife. Vorstände und Techniker geben ihren Senf dazu. Und zurück kommt eine Nachricht, die jede Doktorarbeit in den Schatten stellt. Gutes Zureden bringt gar nichts. Die Meldung davor war zu einfach – die jetzt ist besser, weil komplizierter. Man weist darauf hin, dass die Mitteilung nicht besonders verständlich ist. Und bekommt eine Antwort, die jeden Redakteur schaudern lässt: „Die, die das nicht verstehen, sind sowieso nicht unsere Zielgruppe!“

Wenn ich diesen Satz höre, würde ich mir am liebsten den Kopf an der Wand einschlagen! Da wollen Unternehmen eine Maschine oder Software verkaufen, die Otto Normalverbraucher die Arbeit erleichtert – und schreiben ihre Pressemitteilung so, dass Otto keinen Satz kapiert. Was glauben diese Unternehmen denn, wie Otto bei solch einer Meldung reagiert? Er schmeißt die Zeitung weg oder drückt auf die Löschen-Taste! Denn Otto interessiert sich nicht dafür, wie das Patent heißt. Tolle Fremdwörter und Fachbegriffe sind ihm schnuppe! Er stellt sich nur eine Frage: „Bringt mir das Zeug was?“

Selbstverständlich kommt es immer darauf an, wen genau man mit seiner Meldung ansprechen will. Das Unternehmen hat verschiedene Verteiler aufgebaut? Und für jede Zielgruppe wird eine eigene Meldung verschickt? Dann darf die Meldung für die Fachmedien ruhig etwas technischer sein als die, die an die Kunden rausgeht. Trotzdem: Auch das Fachpublikum freut sich über Meldungen, die es sofort versteht. Über kurze Sätze und wenig Fachbegriffe. Über eine einfache Lektüre, deren Sinn sich sofort erschließt.

Viele Unternehmen haben Angst, nicht ernst genommen zu werden. Wenn sie sich einfach und verständlich ausdrücken, fürchten sie um ihren professionellen Ruf. Ich rede jedoch nicht davon, in Kindergartensprache zu verfallen. Ich rede davon, die KISS-Regel zu befolgen. Es geht darum, schwierige Inhalte einfach zu verpacken. Und ich persönlich habe noch keinen Professor sagen hören: „Der Text war doof. Die Sätze waren zu kurz und einprägsam und ich haben alles sofort verstanden!“

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