Home Deutsche Sprache, ... Sinn ergeben oder Sinn machen? Das ist keine Frage!

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Mein heutiger Beitrag hat es in sich. Denn er behandelt DIE Sinnfrage schlechthin. Und ich kann versprechen: In den kommenden Zeilen wird nichts „Sinn machen“! Aber vieles wird einen Sinn ergeben.

Ich bin kein notorischer Verbesserer. Auch wenn ich mich in der deutschen Sprache ganz gut auskenne, korrigiere ich meine Mitmenschen nur selten. Mein Geist stolpert kurz, wenn er gewisse Formulierungen hört, z. B. größer wie, der Einzigste, wegen dem, zwei Wägen oder in 2010. Aber für gewöhnlich halte ich meine Klappe. Denn den Kampf gegen Windmühlen hebe ich mir für diesen Blog auf.

Es gibt jedoch eine Formulierung, die in meinem Hirn eine Kurzschlussreaktion auslöst. Es macht „Klick“ und ich vergesse alle Manieren. Die Rede ist vom allseits beliebten „das macht Sinn“.

Ist es schick oder hip? Zeigt man Weltformat, wenn man deutsches Englisch redet? Oder englisches Deutsch? Ich sage: Nein! Selbst wenn man ständig mit englischen Geschäftspartnern zum Lunch geht oder Conference Calls führt: Deutsch ist Deutsch und Englisch ist Englisch! Die Engländer fühlen sich nicht geschmeichelt, dass ihr „that makes sense“ eingedeutscht wurde – sie verstehen es sowieso nicht. Und die Deutschen werden einmal mehr um wunderbare Sätze betrogen. Es wird wohl nicht mehr lange dauern und die folgenden Formulierungen werden vergessen sein.

Diese Sache ist sinnvoll.
Dieser Satz ergibt einen Sinn.
Dieses Vorgehen hat einen Sinn.
Ich sehe einen Sinn in deiner Handlungsweise.

Ebenso schöne Beispiele lassen sich für die Verneinung finden:

Dieser Krieg ist sinnlos.
Dieser Satz ergibt keinen Sinn.
Dieses Vorgehen hat nicht den geringsten Sinn.
Ich sehe keinen Sinn in deiner Handlungsweise.

Ein kleiner Aufruf zum Schluss: Wenn es da draußen tatsächlich jemanden gibt, der Sinn „machen“ kann, möge er sich bitte bei mir melden! Denn ich koche sehr gerne. Und ein Rezept für „Sinn“ möchte ich unbedingt einmal ausprobieren!

10 Kommentare für diesen Artikel
  1. „Und die Deutschen werden einmal mehr um wunderbare Sätze betrogen.“
    Bei Dir hat sich leider auch ein Ausdruck aus dem Englischen eingeschlichen (einmal mehr von once more).

    • Da hat es mich wieder erwischt! Manchmal denke ich daran, dass ich das nicht schreiben sollte. Doch ab und an rutscht es mir doch durch. Besser wäre „wieder einmal“ – noch besser wäre jedoch, wenn ich diese beiden Füllwörter ganz weglassen würde.

      Danke für deinen Hinweis!

  2. Sprache entwickelt sich weiter. Ist das schlimm? Nein. Und wenn es nun einmal so ist, dass die deutsche Sprache manches aus dem Englischen übernommen hat, na und? Ich hasse dieses ständige die-Sprache-muss-unbedingt-so-bleiben-wie-sie-ist-Rumgejammere, immerhin reden wir auch nicht mehr so wie im Mittelalter. Ich werde jedenfalls auch noch nachdem ich diesen Artikel gelesen habe „Das macht Sinn“ sagen. Stempelt mich als jugendliche Unwissende ab, als ungebildet. Nur weil Bastian Sick das sagt, muss es doch nicht stimmen…

  3. Man möge doch derartige „Sprachverisse“ gut überdenken.

    Sinn wird unter anderem (wie beispielsweise vorgefunden) von uns hergestellt, indem wir beispielsweise Neologismen erschaffen und ihnen eine Bedeutung zuweisen oder eine neue Theorie entwickeln, die andere Aspekte, ja: anderen Sinn zum Vorschein bringen. Sinn ist kein Ergebnis einer mathematischen Gleichung, die nur etwas „ergeben“ kann, sondern ist eher selbst einen Konstruktionsprozess, der nicht unwesentlich für unsere Wahrnehmung der Welt ist. Daher ist „machen“ als mehrdeutiges Verb keine per se „falsche“ Darstellung in der Kombination mit sinn, sondern ein „Veriss“ dieser Sprachverwendung eher eine zu kurz gedachte „Sprachpropaganda“.
    Hilfreich bei der kritischen Analyse mag folgendes sein:

    http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/10/08/sinnesfreuden-ii/index.html