Home Deutsche Sprache, ... Der Dativ ist dem Genitiv…

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Jeder weiß, wie dieser Satz endet. Die Meisten kennen die Regeln. Viele amüsieren sich über die Fehler, die Bastian Sick in seiner Zwiebelfisch-Kolumne aufzeigt. Und trotzdem verwenden nur ganz wenige Menschen den Genitiv. Lohnt es sich, für den Genitiv zu kämpfen? Gewiss! Denn er macht unsere Sprache reicher. Doch die Aussichten auf Erfolg sind bescheiden…

„Wegen dem“ ist des Deutschen liebste Konstruktion. Er gebraucht sie unentwegt: Wegen dem schlechten Wetter sind wir daheim geblieben. Wegen dem Unfall kamen wir zu spät an. Wegen dem Fußballspiel gehen wir nicht ins Kino. Wie lange ist es her, dass Sie jemanden sagen hörten: Wegen des schlechten Wetters…, wegen des Unfalls… oder wegen des Fußballspiels?

Wegen + Genitiv = out! Mittlerweile wird man sogar schief angeguckt, wenn man die richtige Form wählt. „Ach, da macht wohl einer einen auf gebildet!“ Diesen Spruch habe ich mir tatsächlich schon anhören dürfen, weil ich in einem normalen Satz den Genitiv verwendet habe. Gegenfrage: „Du weißt also, wie es richtig heißt? Warum machst du es dann falsch?“ Die unbefriedigende Antwort: „Das sagt man heute so.“

Leider liegt genau dort der Hase im Pfeffer: Man sagt das heute so. Die meisten Menschen benutzen „wegen dem“. Und steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein! Wenn man etwas nur oft genug hört, schleicht es sich irgendwann in den eigenen Sprachgebrauch. Über kurz oder lang rutscht es selbst Menschen heraus, die es eigentlich besser wissen.

Den Genitiv zu retten, wird also schwierig. Daher werde ich es scheibchenweise versuchen. Heute kämpfe ich erst einmal nur gegen das lästige „wegen dem“.

Das Wort „wegen“ ist eine Präposition. Diese Präposition zieht einen Genitiv nach sich, wenn dem Hauptwort ein Artikel vorangestellt wird:

  • wegen des/eines Umbaus
  • wegen des schlechten Wetters

Wenn das Hauptwort ohne Artikel folgt, kann man den Genitiv oder den Dativ verwenden:

  • wegen Umbau(s)
  • wegen schlechtem Wetter / schlechten Wetters

Wenn Sie lesen „Straße wegen Schlagloch gesperrt“ ist das genauso richtig wie „Straße wegen des Schlaglochs gesperrt“. Sobald sich das Wörtchen „dem“ vor das Schlagloch schiebt, wird es jedoch falsch.

Es wird ein langer und schwerer Kampf. Und das Überleben des Genitivs ist ungewiss. Doch wie sagte Bertolt Brecht so treffend: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

8 Kommentare für diesen Artikel
  1. Was Sie gesagt haben, stimmt vollkommen. Die Herleitung würde ich aber hinzufügen, denn sie bestätigt zu 100% den Grund der Verwendung des Genitivs nach „wegen“.

    wegen –> Dativform von „Weg“

    Häufig in alten Texten: „von meinentwegen“. Heutzutage ohne „von“ sowie ohne das „n“ in „meinent“. Diese Wortbildung ist offentsichtlich eine Dativkonstruktion. Setzt man aber das Wort, das zeigt, dass die „Wege mir gehören“, kommt der Genitiv zu Nutze: „von Wegen meiner“.

    Im Laufe der Zeit verlor das „von“ an Gebrauch (vergleiche mit anstatt –> statt [des Zugs]) und somit blieb „wegen“ übrig. Sodass man Leuten, die von diesem Teil der Grammatik, bzw. Grammatikgeschichte, wenig oder nichts wissen, erklären kann, weshalb der Genitiv der einzige Kasus ist, der bei der Präposition „wegen“ Sinn ergibt, könnte man einen Satz dieser Art formulieren: „Von [den] Wegen meines Vaters konnte ich nicht zum Seminar kommen.“ Dass sich der Sinn dieses Satzes im Laufe der Zeit etwas verändert hat, ist absolut normal, aber dies ist die Geschichte dieser Präposition.

  2. „wegen/ trotz dem“ bzw. „wegen mir/dir/uns“ ist im Süden des deutschen Sprachgebiets Standard und völlig korrekt. Es steht gleichberechtigt neben der Genitivform.
    Herr Sick vertritt in seinem Buch „Der Dativ ist….“ lediglich seine norddeutsche Meinung, es gibt durchaus andere kompetente Meinungen hierzu, z.B. hier:

    http://www.belleslettres.eu/artikel/wegen-genitiv-dativ.php.

    Im übrigen kommen die meisten Dialekte, nicht nur die süddeutschen (oberdeutschen) ganz ohne Genitiv aus, und zwar problemlos. („Dem Herrn Pastoor sin Kau, jau, jau!“)
    Deutsch ist eine pluralistische Sprache, deren Varietäten nicht unbedingt dem Diktat des Herrn Sick unterliegen.

    Grüße
    K.L.