Home Deutsche Sprache, ... Wer hat das „in“ vor die Jahreszahl gequetscht?

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Die deutsche Sprache ist lebendig und entwickelt sich immer weiter. Fast täglich schleichen sich neue Formen in unseren Sprachgebrauch. Viele tarnen sich als Helden, die unser Leben angeblich einfacher machen. Doch in Wahrheit sind sie unnötig und schlichtweg falsch. Ein gutes Beispiel: Das verflixte „in 2011“.

Den Sommer 2008 verbrachte ich in Spanien.

Was für ein wundervoller Satz. Nicht nur weil er an Sonne, Meer und Paella erinnert. Sondern auch weil er so wunderbar schnörkellos und richtig ist. Schön ist auch dieser Satz:

Im Jahr 2008 verbrachte ich meine Sommerferien in Spanien.

Herrlich, diese einfache und doch so richtige Wortwahl. Wir Deutschen haben es wunderbar leicht, wenn wir Jahreszahlen in unsere Sätze einbauen wollen. Wir setzen einfach die Zahl hinein – und fertig ist der grammatikalisch einwandfreie Satz. Sie mögen Ihre Sätze lieber etwas fülliger? Gerne! Dann setzen Sie vor die Jahreszahl noch ein „im Jahr“! Genauso richtig und wohltuend für Gehörgang und Sprachempfinden:

(Im Jahr) 1999 verbuchte die Spielwaren AG einen Rekordumsatz.
Nach dem Erdbeben (im Jahr) 2005 wurde die Stadt wieder aufgebaut.
Der Winter (im Jahr) 2009 war ausgesprochen hart.
Der Film kam (im Jahr) 1973 in die Kinos und wurde ein Kassenschlager.

Einfach, schön und kurz! Ausnahmsweise ist die deutsche Sprache einfacher als die englische. Doch warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Irgendeinem Deppen war wohl nicht ganz geheuer, dass die einfachste Lösung tatsächlich die richtige sein soll. Dieser Depp entschied, dass das Wörtchen „in“ vor eine Jahreszahl gehört. Und unzählige Menschen folgen diesem Beispiel. Das Ergebnis:

In 2008 verbrachte ich meine Sommerferien in Spanien.
In 1999 verbuchte die Spielwaren AG einen Rekordumsatz.
Nach dem Erdbeben in 2005 wurde die Stadt wieder aufgebaut.
Der Winter in 2009 war ausgesprochen hart.
Der Film kam in 1973 in die Kinos und wurde ein Kassenschlager.

Das Wörtchen „in“ vor der Jahreszahl ist ein Anglizismus. Dieser ist nicht nur falsch, sondern auch absolut unnötig! Leider hat sich diese Marotte schon so weit verbreitet, dass ihr Fehlen als Fehler gesehen wird. Ein mir bekannter PR-Berater weigerte sich beharrlich, das „in“ zu streichen. Er war der Meinung, dass es sich „ohne irgendwie falsch anhört“. Und so jemand will gute Kommunikation lehren…

Mal sehen, was „2011“ noch alles passiert? Vielleicht gerät diese Marotte „2011“ in Vergessenheit. Oder ein Retter der deutschen Sprache bekämpft diesen Fehler „im Jahr 2011“ erfolgreich. Eines ist jedoch sicher: „In 2011“ wird gar nichts passieren! Außer vielleicht, dass die deutsche Sprache vor die Hunde geht.

8 Kommentare für diesen Artikel
  1. Schwierig wird es im Deutschen lediglich bei folgenden Konstellationen:

    „Wir haben das letzte Mal 2000 Fußbälle gekauft. Das ist schon lange her, wir brauchen dringend neue“

    Naja, aber da stellt man dann einfach die Jahreszahl an den Satzanfang oder fügt eben „im Jahr“ hinzu, und alles ist gut 😉

  2. Mich regt es auch wahnsinnig auf, das ploetzlich jeder ein „in“ vor die jahreszahl setzt, sind wir nicht sowieso schon anglifiziert genug?

  3. Dieses „in“ stört mich auch, mittlerweile sogar mehr als „einzigste“…
    Leider verbreitet es sich immer mehr. Wenn es überall steht, muss es ja richtig sein-.-