Home Einfach schön schreiben Qualität kommt von quälen!

Nachrichtenwert, Formulierung, Pressetext
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Wieder einmal hat Wolf Schneider recht: „Qualität kommt von quälen!“ Ein guter Text schreibt sich nicht in fünf Minuten. Fleiß, Ausdauer und etwas Qual gehören dazu. Leider vergessen das viele Kollegen. Sie quälen nicht sich selbst, sondern ihre Leser. Dreimal dürfen Sie raten, wie lange die sich das gefallen lassen…

Wie oft haben Sie schon einen Artikel angefangen zu lesen – und nach wenigen Zeilen entnervt weitergeblättert? Unzählige Male? Dann sind sie nicht allein. Denn die meisten Artikel werden wohl nicht zu Ende gelesen. Zeitmangel ist ein Grund. Desinteresse bezüglich des Themas ein weiterer. Aber viel zu oft blättern Leser weiter, weil der Beitrag einfach mies geschrieben ist.

Der Leser lässt sich nicht quälen. Nach ca. 20 Sekunden muss er gefesselt sein – vom Thema UND vom Schreibstil. Wer bis dahin nicht interessiert ist, springt ab. Redakteure und Öffentlichkeitsarbeiter sind daher gut beraten, wenn sie sich konsequent an die Regeln halten: Kurze Wörter, einfache Sätze, klarer Aufbau, wenig Adjektive und Synonyme, Antworten auf die W-Fragen u. s. w.

Kleiner Tipp

Es lohnt sich immer, eine zweite Meinung einzuholen. Man selbst ist meist zu sehr im Thema drin. Falsche Zusammenhänge und komische Formulierungen fallen einem neutralen Leser besser auf. Und im Zweifelsfall gilt ein weiteres Wolf-Schneider-Zitat: „Gegenleser haben Recht!“

PS: Das Zitat von Wolf Schneider habe ich in einer Spruchsammlung der Heinrich Böll Stiftung NRW wiederentdeckt. Sind auch sonst sehr nette Sachen drin…

Buchtipp

Wolf Schneider: Deutsch! Das Handbuch für attraktive Texte

 

4 Kommentare für diesen Artikel
  1. […] Es ist wirklich grausam, was manche Unternehmen oder Journalisten in ihren Meldungen schreiben. Ich selbst habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen. Aber ich habe mir wenigstens einen ganz wichtigen Grundsatz gemerkt: Eingeschobene Nebensätze sind tabu! Man darf sie nicht verwenden. Nicht einmal ausnahmsweise. Sie lassen sich immer vermeiden – man muss sich beim Schreiben nur etwas quälen. […]

  2. […] In diesem Umfeld schleichen sie sich gerne ein, die eingeschobenen Nebensätze. Sie blähen den Satz auf. Und ehe man es sich versieht, hat man einen meterlangen Schachtelsatz gebaut. Es ist verführerisch, eine übrig gebliebene Information einfach mitten hinein zu quetschen. An den Leser denkt hierbei niemand. Er muss sich durch Einschübe und Zusätze wühlen, um an die Informationen zu kommen. Der Redakteur ärgert seinen Leser – weil er sich selbst nicht genug quälen wollte. […]