Home Einfach schön schreiben Finger weg vom Schachtelsatz!

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Eine der wichtigsten Regeln für verständliche Texte lautet: Schachtelsätze sind tabu!

Sie haben etwas Wichtiges zu sagen? Warum verstecken Sie es dann hinter tausend Wörtern, Kommata, Klammern und unwichtigen Einschüben?

Schlecht:
Das Messverfahren „messung-heute“, welches von den Professoren Hinz und Kunz entwickelt wurde, nachdem sie sich von ihrer lehrenden Tätigkeit an der Hochschule Buxtehude verabschiedet hatten, wurde von einer zehnköpfigen Jury am vergangenen Samstag – treffenderweise dem Tag des Maschinenbaus – zum Sieger der diesjährigen F&E-Olympiade (Forschungs- und Entwicklungs-Olympiade) gekürt.

Was genau will uns dieser Text sagen? Dass es zwei Professoren gibt, die keine Lust mehr auf ihren Job haben? Dass am Samstag Tag des Maschinenbaus war? Oder dass es so etwas Abstruses wie eine F&E-Olympiade gibt?

Besser:
Das Messverfahren „messung-heute“ ist Sieger der diesjährigen F&E-Olympiade. Die zehnköpfige Jury fällte ihre Entscheidung am vergangenen Samstag. Die Professoren Hinz und Kunz hatten das Verfahren entwickelt, nachdem sie sich von ihrer lehrenden Tätigkeit an der Hochschule Buxtehude verabschiedet hatten. Die F&E-Olympiade prämiert jedes Jahr herausragende Arbeiten in der Forschung und Entwicklung.

Die Hauptsache muss immer sofort erkennbar sein. Und die Hauptsache in diesem Text ist, dass das Messverfahren „messung-heute“  gewonnen hat. Alles andere sind Zusatzinformationen. Diese können in weiteren Hauptsätzen oder einem angehängten Nebensatz erwähnt werden.

Fazit:

Formulieren Sie Ihre Texte vornehmlich mit einfachen Hauptsätzen! Zuhörer und Leser nehmen diese schneller und besser auf. Aber Achtung: Zu viele kurze Sätze hintereinander gehen schnell auf die Nerven. Daher sollten Sie wechseln. Auf zwei Hauptsätze folgt ein Hauptsatz mit angehängtem Nebensatz, dann wieder zwei Hauptsätze und so weiter…

10 Kommentare für diesen Artikel
  1. Den Schachtelsatz schlechthin zu verteufeln, ist unsinnig. Siehe z.B. Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, wie dort der Schachtelsatz virtuos gehandhabt wird. Klar strukturiert kann der Schachtelsatz sogar beeindrucken und Abwechslung bringen in die allmählich öde werdende Satzfolge Hauptsatz – Nebensatz – Nebensatz oder Nebensatz- Hauptsatz-Nebensatz. Abzulehnen ist nur der unübersichtliche Schachtelsatz, der den Leser in ein Labyrinth führt, aus dem er dann kopfschüttelnd und unklar informiert wieder herauskommt.

    • Ja, ja, die Krux meiner Studienjahre: Die Journalismus-Dozenten wollten Hauptsätze und klare Strukturen und die Germanistik-Professoren waren persönlich beleidigt, wenn in einem Satz nur drei Kommata vorkamen. ;-)